Bank of Moscow ignoriert Andrej Borodins Bitte, seine Abfindung an eine gemeinnützige Organisation für hilfsbedürftige Kinder zu überweisen

In seinem offiziellen Brief an Michail Kusowlew, den neuen Präsidenten der Bank of Moscow, bat Andrej Borodin die Bank of Moscow seine Abfindung, die ihm die Bank gemäß seinem mit der Bank of Moscow geschlossenen Arbeitsvertrag, der am 21. April 2011 gekündigt wurde, an die gemeinnützige Stiftung Dobroserdie zu überweisen. Die Stiftung Dobroserdie setzt sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Waisenkindern in ganz Russland ein. Die Bank schuldet Andrej Borodin mehr als 5 Millionen US-Dollar und dieses Geld könnte dazu verwendet werden, um hilfsbedürftige Waisenkinder in verschiedenen Regionen in Russland zu unterstützen. Leider ist die neue Leitung der Bank dieser Bitte bisher nicht nachgekommen. Es ist sehr traurig, dass nun auch hilfsbedürftige Kinder unter dieser Situation leiden müssen.

Eine Kopie des Briefs von Andrej Borodin an Michail Kusowlew erhalten Sie hier. Eine Kopie seines Beschwerdebriefs an die Bank finden Sie hier. (Die ursprünglichen Dokumente sind in russischer Sprache.)

Interview der Zeitung Moskovskiy Komsomolets mit dem VTB Vorsitzender Andrey Kostin

Gestern sagte der Vorsitzende der VTB, Andrej Kostin, in einem Interview mit der russischen Zeitung Moskowskij Komsomolez, dass „der Erwerb der im Besitz der Stadt Moskau befindlichen Aktienanteile in Höhe von 46,48 % an der Bank of Moscow durch die VTB im Einklang mit allen dafür erforderlichen, in Russland geltenden Gesetzen erfolgte“.

Entweder kennt Kostin die für Aktiengesellschaften, Banken, Bankgeschäfte und die Privatisierung geltenden Grundsätze der russischen Gesetzgebung nicht oder er ist ein Lügner. Im Hinblick auf den Kauf der Aktienanteile durch die VTB, die zuvor von der Moskauer Stadtregierung gehalten wurden, gab es mindestens vier gravierende Gesetzesverstöße. Darauf ist schon mehrfach hingewiesen worden. Dieser Geschäftsabschluss bleibt Gegenstand eines Schiedsgerichtsverfahrens und wir beabsichtigen, die Rechtmäßigkeit dieses Geschäftsabschlusses anzufechten.

Widersprüchliche Äußerungen der VTB zur Bank of Moscow

Wie üblich äußert sich die VTB auch diesmal widersprüchlich über die Bank of Moscow. Heute ließ die Leitung der VTB in den Medien verlauten, dass es sich bei der Bank of Moscow um einen sehr guten Geschäftsabschluss für die Staatsbank handle, der viele Vorteile mit sich bringe, während sie gleichzeitig erklärte, dass die Bank of Moscow ‚in großen Schwierigkeiten‘ sei.

Ich möchte an dieser Stelle erneut betonen, dass die Bank of Moscow vor sechs Monaten noch zu den wenigen Banken in Russland gehörte, die über ein Investment Grade Rating verfügten, und führende internationale Banken wie zum Beispiel JP Morgan, Credit Suisse und Goldman Sachs zu ihren Aktionären zählen konnte.

Mögliche Herabstufung der VTB durch S&P

Heutigen Berichten zufolge prüft die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) die Bewertung der VTB und stuft möglicherweise die Kreditwürdigkeit der Staatsbank nach dem Kauf der Aktien der Bank of Moscow herab. Nach Angaben von S&P ist noch immer nicht klar, wie sich der Erwerb der Bank of Moscow auf die VTB auswirken werde.

Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass die VTB offenbar bezüglich der Bank of Moscow keine Strategie hatte und der Geschäftsabschluss nicht auf wirtschaftlichen Beweggründen basierte.

Die VTB behauptet, dass sie noch nicht im vollen Umfang über die Lage der Bank of Moscow im Bilde sei und darauf warte, dass die Zentralbank ihre Due-Diligence-Prüfung abschließt. Wir können nur vermuten, dass die Ergebnisse dieser Due-Diligence-Prüfung die Auffassung der russischen Staatsbank VTB unterstützt. Aber ist es nicht seltsam, dass sich die Lage der Bank of Moscow, die zu den wenigen russischen Banken gehörte, die über ein Investment Grade Rating verfügten, und noch vor sechs Monaten führende internationale Banken wie beispielsweise JP Morgan, Credit Suisse und Goldman Sachs zu ihren Aktionären zählen konnte, so plötzlich verschlechtert hat?

Der Jahresabschluss der Bank of Moscow ist noch offen

Es scheint, als verschlechtere sich die Lage der Bank of Moscow zunehmend. In den russischen Medien ist heute berichtet worden, dass der (durch die VTB ernannte) Vorstand der Bank of Moscow nicht in der Lage gewesen sei, den Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2010 zu unterzeichnen, der in der nächsten Hauptversammlung zur Zustimmung vorgelegt werden sollte. Die Bank konnte sich mit den Wirtschaftsprüfern nicht über deren Beurteilung des Geschäftsberichtes einigen, der gemäß den internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen erstellt worden war. Der Prüfungsausschuss der Bank verlor ein weiteres Mitglied, da nun auch der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Konstantin Popow, zurückgetreten ist.

Kann die VTB diese Situation meistern oder ist dies ein weiterer Beweis dafür, dass der Verkauf der Aktien der Bank of Moscow an die VTB eine wirtschaftliche Fehlentscheidung war? Die heutige Nachricht könnte etliche negativen Konsequenzen wie zum Beispiel unzufriedene Aktionäre oder den Verlust von Kunden und Investoren mit sich bringen sowie dem Ruf der Bank als glaubwürdiges Finanzinstitut einen irreversiblen Schaden zufügen.

Zum ersten Mal seit Bestehen der Bank ist der Geschäftsbericht der Bank of Moscow auf diese Art und Weise erstellt worden. Der letzte Konzernabschluss der Bank wurde im November 2010 veröffentlicht.

Einen aktuellen Zeitungsartikel zu diesem Thema finden Sie hier.

Die Geschichte wiederholt sich…

Es scheint, als ob es sich die ‚Friedensstifter‘ der Familie Jussufow wieder einmal zum Ziel gesetzt hätten, ihre Vielzahl an Vermögenswerten noch weiter auszubauen. Dieses Mal entschloss sich das Oberhaupt der Familie, Igor Jussufow, ein ehemaliger Energieminister, Aktienanteile am Flughafen Domodedowo zu erwerben. Igor Jussufow, der dem Kreml seit den Zeiten Boris Jelzins nahestand, diente 2001 unter der Putin-Regierung als Energieminister Russlands. Bis vor kurzem war er Präsident Dmitri Medwedews Sonderbotschafter für energiepolitische Zusammenarbeit und scheint dem Kreml auch noch nach seinem Rücktritt nahezustehen. In letzter Zeit wurde viel über Jussufows ‚friedensstiftende‘ Fähigkeiten und sein Talent berichtet, Konflikte zu lösen und daraus Vorteile für sich selbst zu ziehen. Weiterlesen

„Mögliche negative Konsequenzen der Übernahme der Bank of Moscow“

Es herrscht große Besorgnis über die Zukunft der Unternehmen, die von der Bank of Moscow vor deren Übernahme durch die VTB finanziert wurden. Auch die Mitarbeiter dieser Unternehmen fürchten um ihre Zukunft, nachdem die VTB die Finanzdienstleistungen für diese Vermögenswerte eingestellt hat. Moskowskij Meschrespublikanskij ist eines dieser Unternehmen. Vor kurzem ist in den Medien über das Risiko berichtet worden, dass das Unternehmen Moskowskij Meschrespublikanskij Winsawod Konkurs anmelden müsse. Diese Situation ist auf die Einstellung der Finanzierung des Unternehmens durch die neue, von der VTB ernannte Leitung der Bank of Moscow zurückzuführen. Die Zukunft anderer Vermögenswerte, die zuvor Darlehen von der VTB erhalten hatten, ist aufgrund der fehlenden Finanzierung ebenfalls unsicher.

Überlegungen zu den jüngsten Stellungnahmen der VTB bezüglich des Kreditportfolios der Bank of Moscow

Die derzeitige Leitung der VTB hat sich kürzlich in mehreren Stellungnahmen zur Lage der Bank of Moscow und zu den Problemen mit deren Kreditportfolio geäußert und behauptete, dass sie den tatsächlichen Zustand der Bank erst nach dem Kauf feststellen konnte. Allerdings ignorierte die Leitung der VTB das Angebot des ehemaligen Präsidenten der Bank of Moscow, Andrej Borodin, vom 22. März 2011, deren Aktienanteile an der Bank zu dem Preis zu kaufen, zu dem die VTB diese erworben hatte. Doch wenn sie mit der Lage der Bank tatsächlich unzufrieden gewesen wäre, so bleibt es ein Rätsel, warum sie Andrej Borodins Angebot nicht angenommen hat.

Investitionen der Bank of Moscow in Vermögenswerte, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören

Vor kurzem fanden in den Medien Diskussionen über Investitionen der Bank of Moscow statt, die diese unter der ehemaligen Leitung in Vermögenswerte tätigte, die nicht zum Kerngeschäft der Bank gehörten. Die Bank of Moscow hat tatsächlich in etliche Unternehmen, die in der Forstwirtschaft, im Bausektor und in der Landwirtschaft tätig sind, investiert, und diesen Unternehmen Darlehen gewährt. Jedoch hat die Bank die Öffentlichkeit immer transparent über diese Investitionen und die Finanzierung unterschiedlicher Projekte informiert. Bei der Gewährung von Darlehen an diese Unternehmen hat die Bank stets alle dafür erforderlichen Verfahrensvorschriften eingehalten. Die Finanzierung durch die Bank of Moscow hat einigen Unternehmen zu Wachstum verholfen und Tausende neuer Arbeitsplätze in mehreren Regionen Russlands geschaffen. Als Beispiel in diesem Zusammenhang lässt sich das Unternehmen Investlesprom nennen, dessen Aktien sich zu 20 % im Besitz der Bank of Moscow befinden. Investlesprom beschäftigt nahezu die gesamte Bevölkerung zweier russischer Städte: Segescha in Karelien und Sokol in der Region Wologda. Unter der Leitung von Andrej Borodin bereitete sich die Bank of Moscow darauf vor, in Projekte zu investieren, im Zuge derer einige der modernsten Produktionsstätten in Russland entstehen sollten. Diese Projekte unterstützten das strategische Ziel der russischen Regierung: die Modernisierung des Landes. Die neue Leitung der Bank hat diese Projekte offenbar auf Eis gelegt. Die Gründe dafür bleiben allerdings weiterhin unklar.