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Warum war dies scheinbar eine gute Idee?

In den letzten Tagen hat Griechenland, gefolgt von Belgien, Frankreich, Italien und Spanien, die Leerverkäufe von Aktien von Banken und anderen Finanzunternehmen verboten, eine Entscheidung, die von Analysten, Fondsmanagern, Wissenschaftlern und Berichterstattern nahezu ausnahmslos verurteilt wird.

Warum um Himmels willen haben sie dies also getan?

Das Symptom, auf das sie reagiert haben, ist die extreme Volatilität der Bankaktien, die ungefähr zu der Zeit herrschte, als die Aktienkurse an den Börsen auf Talfahrt gingen.

Die eigentliche Ursache dafür ist allerdings, dass sich die Anleger Sorgen um die Bonität eines Großteils der öffentlichen Schuldverschreibungen in der Eurozone machen, die vom Bankensektor gehalten werden und die zuvor im Rahmen von Eigenkapitalanforderungen der Banken einen hohen Stellenwert einnahmen. Die jüngsten Maßnahmen der EZB zur Unterstützung der spanischen und italienischen Märkte für Staatsanleihen haben zwar zu einer kurzen Erholungsphase auf diesen Märkten geführt, die Ängste der Anleger jedoch nicht beruhigt, dass die Banken, die diese Anleihen halten, deren Wert früher oder später nach unten korrigieren müssen, so wie dies bereits bei den griechischen Schuldtiteln der Fall war.

Daher suchen die Anleger nun schnellstmöglich nach dem nächsten Ausgang.

Die Tatsache, dass die Behörden versuchen, durch das Verbot von Leerverkäufen gegen diesen Ansturm anzukämpfen, scheint ein fürchterlich besorgniserregendes Verständnis der Markt- und insbesondere der Hedgefonds-Mentalität aufzudecken.

Eines der vielen Zitate von Fondsmanagern in der Financial Times vom 12. August veranschaulicht dies besonders gut: „Es scheint so, als ob die politischen Entscheidungsträger in der EU das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen nicht verstehen. Bei der überwiegenden Mehrheit der Leerverkäufe (sowie der Käufe von Credit Default Swaps (CDS)) von Finanzinstrumenten werden die Ausfallrisiken auf Seiten des Kontrahenten von anderen Finanzinstituten abgesichert und nicht von Spekulanten. Zwischen Oktober und Dezember 2008 kam die Kreditvergabe auf dem Interbankenmarkt nach dem Verbot der Leerverkäufe im September 2008 völlig zum Erliegen.“

Ein weiterer schwerer Fehler besteht darin, dass diese Schritte eingeleitet wurden, nachdem die Bemühungen der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde gescheitert waren, die Umsetzung EU-weit gültiger Maßnahmen zu koordinieren. Dies bedeutet, dass das Verbot nur in fünf Ländern gilt und daher Leerverkäufe der betroffenen Aktien weiterhin in allen anderen Finanzzentren, in denen sie gehandelt werden, möglich sind, nur eben nicht in Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien.

Nebenbei bemerkt, ist es gar nicht klar, wie stark der Rückgang der Aktienkurse in den letzten Tagen überhaupt auf Leerverkäufe zurückzuführen ist.

Anhand der Krise von 2008 scheint klar erwiesen, dass das Verbot von Leerverkäufen nicht zur Unterstützung der betroffenen Aktien beigetragen hat. Die einzige Möglichkeit, Anleger zu beruhigen, damit diese ihr Geld nicht aus einem Unternehmen abziehen, besteht darin, die Rentabilität und das Wachstumspotenzial dieses Unternehmens aufzuzeigen. Nach Meinung vieler europäischer Banken ist dies aufgrund der fehlgeleiteten, protektionistischen Maßnahmen der Währungsbehörden und Politiker eine ungeheuer schwierige Aufgabe für die Unternehmen, denen gegenüber beteuert wird, dass man durch diese versucht wird, sie darin zu unterstützen.

Wie in den Vereinigten Staaten von Amerika, so ist auch in der Eurozone ein entschiedenes Vorgehen erforderlich, um Gelder an die Projekte zu vergeben, die langfristiges Wachstum und eine Erhöhung der Sparquote fördern, während politischer Korruption und Steuerhinterziehung durch international tätige Unternehmen Einhalt geboten wird. Zu Leidwesen aller, die im Banken- und Finanzsektor tätig sind, ist von einem derartigen Vorgehen weit und breit nichts zu sehen.