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US-Notenbank Fed nicht von Erholung der amerikanischen Wirtschaft überzeugt!

Diese Woche kündigte die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) an, dass sie davon ausgehe, ihren offiziellen Leitzins, die Zielgröße der Federal Funds Rate, zumindest bis Mitte 2013 auf einem Wert um null Prozent zu halten. In der offiziellen Stellungnahme hieß es: ‚Um die anhaltende Erholung der Konjunktur zu fördern und zu gewährleisten, dass die Inflation stets dem für sie festgelegten Niveau entspricht, entschied der Ausschuss heute, den Zielkorridor für die Federal Funds Rate unverändert bei 0 bis 0,25 Prozent zu belassen. Zurzeit erwartet der Ausschuss, dass es aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, einschließlich einer niedrigen Ressourcenauslastung und eines verhaltenen mittelfristigen Inflationsausblickes, gerechtfertigt sei, das außergewöhnlich niedrige Niveau der Federal Funds Rate mindestens bis Mitte 2013 beizubehalten.’

Was um Himmels willen haben sie sich bloß dabei gedacht, als sie diese Erklärung abgegeben haben? Vermutlich wollten sie so die Anleger beruhigen, damit diese weiterhin den Markt über einen längeren Zeitraum mit günstiger Liquidität versorgen. So wohlgemeint diese Stellungnahme vielleicht auch war, so scheint sie doch nur zu bestätigen, wie schlecht es der Wirtschaft ihrer Meinung nach eigentlich geht!

Wie ich bereits schon einmal festgestellt habe, ist das keynesianische Prinzip, dass die Staatsdefizite steigen, während sich die Konjunktur abschwächt, um das Wachstum ‚in Gang zu setzen‘ und anzukurbeln, in den letzten vier Jahren in den USA, im Vereinigten Königreich und in der Eurozone ganz offensichtlich gescheitert. Das grundsätzliche Problem in diesen Ländern sind weiterhin die nationalen Ausgaben, die das eigentliche Einkommen übersteigen, unabhängig davon, ob von Einzelpersonen, Unternehmen oder der Regierung. Niedrige Zinssätze wiederum setzen selbstverständlich Anreize für weitere Ausgaben, und genau das sollen sie ja auch.

Um eine nachhaltige Lösung zu ermöglichen, ist es tatsächlich erforderlich, dass jeder in diesen Ländern weniger Geld ausgibt, oder besser gesagt, einen geringeren Prozentsatzes seines Einkommens. Anreize dafür würden jedoch durch höhere, nicht niedrigere Zinssätze gesetzt werden.

Wenn man arm ist, Schulden in erheblichem Umfang hat, kämpfen muss, um finanziell über die Runden zu kommen, dann führt natürlich jede Zinserhöhung geradewegs zu einem fast vollständigen Rückgang des Verbrauchs. Sparen ist sowieso nicht möglich. Es geht dann lediglich darum, das Einkommen entsprechend einzuteilen und bei verschiedenen Stellen Kredite aufnehmen. In diesem Fall bedeuten also erhöhte Ausgaben für Zinszahlungen weniger Ausgaben für andere Waren und Dienstleistungen. Verfügt man jedoch über Ersparnisse, ganz gleich, ob in der Form von Anleihen, Bankkonten oder Renten, so führt eine Zinserhöhung nicht zwangsläufig zu einem Anstieg des Verbrauchs. Man legt ja sowieso schon Geld zurück, dann wird man wohl auch noch weitere Rücklagen bilden, wenn das Einkommen steigt. Diese Ungleichheit bei der marginalen Ausgabenneigung als Antwort auf eine Erhöhung der Zinsen würde die Gesamtnachfrage in der Wirtschaft reduzieren.

Daher ist ein höheres Wachstum erforderlich, um das grundsätzliche Schuldenproblem zu lösen, damit auch die Sparquote steigen kann, ohne dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt. Die schwierige Aufgabe, die sich politischen Entscheidungsträgern stellt, besteht darin, wie man ein derartiges Wachstum und gleichzeitig die Sparquote ankurbelt. Niedrige Zinssätze haben nicht funktioniert. Hohe Defizite im öffentlichen Sektor haben auch nicht funktioniert. Die Abwertung der Währung hat nur begrenzt funktioniert, da sie nur in einem Währungsraum auf Kosten eines anderen greifen kann.

Eine mögliche Lösung bestände darin, Personen Kredite zu gewähren, die diese Gelder so ausgeben, dass dadurch Wachstum generiert wird. Geeignete Kreditnehmer wären kleine und mittelständische Unternehmen, für deren Produkte zwar ein Nachfrageüberhang besteht, die aber selbst nicht in der Lage sind, die erforderliche Expansion zu finanzieren, um dieser Nachfrage gerecht zu werden. Dies wären die Unternehmer gewesen, denen die Banken ungeachtet der Mahnungen verschiedener Regierungen besser Kredite gewährt hätten, wenn ihre geringe Risikobereitschaft und die erforderliche Umstrukturierung ihrer Bilanzen sie nicht davon abgehalten hätte. Irgendwie scheint es jetzt an der Zeit für eine erzwungene Rückkehr zur Vergabe von Krediten zu sein. Unklar ist jedoch, von wem dies überwacht oder organisiert werden sollte. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Banken in der freien Marktwirtschaft selbst nur ihr persönliches Risiko-Rendite-Verhältnis sehen und nicht den hohen sozialen Nutzen, den die erhöhte Gewährung von Krediten mit sich bringt.

Eine weitere Lösung für die Volkswirtschaften mit Haushaltsüberschüssen wäre es, ihre Ausgaben für Waren aus Volkswirtschaften mit Haushaltsdefiziten zu steigern, aber das können die Volkswirtschaften natürlich nicht alleine!

Unmittelbar nach der Entscheidung der Fed verfasste Todd Harrison, ein bekannter Kommentator des zum Wall Street Journal gehörenden MarketWatch, einen Artikel mit dem Titel ‚Die zweite Seite des Finanzsturms‘. Seine Schlussfolgerung lautet: ‚Der Schuldenabbau und die Ablehnung des – und Schuldzuweisung für den – Materialismus wird fortführen, was im Jahr 2008 begonnen wurde. Allerdings geht es nun nicht mehr nur darum, mit weniger mehr zu tun, sondern weniger zu tun… Punkt … und dabei sein Glück auf andere Art und Weise zu finden als durch Geld.’

Man fragt sich, welcher Politiker in den USA sich trauen würde, dies zu den 25 % der 16- bis 19-Jährigen zu sagen, die arbeitslos sind! Und dies insbesondere nach den jüngsten Nachrichten aus dem Vereinigten Königreich, in denen junge Randalierer auf der Straße zu sehen waren, die immer wieder wiederholten, ihr Angriffsziel seien ‚die Reichen‘ und ein System, das ihrer Meinung dafür verantwortlich ist, dass ihnen die entsprechenden Abschlüsse für eine wohlhabende Zukunft fehlen und sie keinerlei Aussicht auf eine sichere Existenz haben.