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Wie sich der US-Schuldendeal auf Russland auswirkt

Der jüngste Deal zur Erhöhung der Schuldenobergrenze und Vermeidung einer noch nie dagewesenen Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika bringt große Veränderungen auf globaler Ebene mit sich. Zunächst einmal wird die Welt den US-Dollar nicht mehr für eine sichere Fluchtwährung halten. Der Dollar ist nun auf das Niveau anderer Währungen gesunken, was bedeutet, dass viele Menschen nun möglicherweise beginnen, seinen Status als weltweit wichtigste Reservewährung in Frage zu stellen.

Der US-Schuldendeal trägt nur vorübergehend dazu bei, die Lage in den USA zu lösen. Solange die Weltmärkte nicht erkennen, dass die US-Wirtschaft deutlich anders geführt werden muss, wird das Vertrauen in den Dollar nicht wieder hergestellt werden.

Wie wir alle wissen, bekommt der Rest der Welt Angst, wenn sich Amerika erkältet. In Russland spürt man das Fieber sofort, da die russische Wirtschaft weiterhin stark dollarisiert bleibt. Der Durchschnittsrusse glaubt immer noch, dass der Dollar die mächtigste Währung der Welt ist. Genauso wie vor 15 bis 20 Jahren ziehen die meisten Russen den Dollar dem Rubel vor. Obwohl heutzutage die Abwicklung aller offiziellen Geschäftstransaktionen in Rubel erfolgt, spielt der Dollar als Zahlungsmittel auf Schwarz- und Graumärkten immer noch eine sehr wichtige Rolle.

Russlands Abhängigkeit vom US-Dollar ist seit langem ein Dilemma für die Zentralbank der Russischen Föderation. Die Währungspolitik der russischen Zentralbank war bisher völlig unberechenbar. Bei dem Wechselkurs zwischen dem russischen Rubel und dem US-Dollar handelt es sich nicht um einen freien Wechselkurs. Auch wenn die Zentralbank dies nicht bestätigt, so wird der Wechselkurs korrigiert. Für die russische Wirtschaft ist es daher viel wichtiger, zu wissen, was die Zentralbank über den Dollar denkt, als was die Welt über ihn denkt.

Mir fällt es insbesondere aus zwei Gründen schwer die Zukunftsperspektiven des Rubels als Währung zu beurteilen. Erstens lässt die Währungspolitik der Zentralbank keinem Streubesitz des Rubels zu und zweitens ist die Wirtschaft der Russischen Föderation stark von Rohstoffpreisen abhängig. Zurzeit belaufen sich die Einnahmen aus Rohstoffen auf etwa 60 % des Gesamteinkommens der russischen Wirtschaft, während sie im vergangenen Jahr noch 50 % betrugen. Dieser Anstieg ist ein besorgniserregender Trend. Eine weitere beunruhigende Entwicklung in der Wirtschaft Russlands ist die Abhängigkeit von den Ölpreisen (aktuell liegt der Preis zwischen 115 und 120 US-Dollar). Ein starker Rückgang des Ölpreises könnte zu einem starken Kursrückgang des Rubels führen. Dies verdeutlicht, dass der Rubel keine starke Währung ist und wie wichtig daher ein starker Dollar und eine stabile US-Wirtschaft für Russland sind.

Die russische Wirtschaft wird auch weiterhin völlig vom US-Dollar, Ölpreisen und Preisen anderer Rohstoffe abhängig sein, solange auf die Diskussionen um die erforderliche Modernisierung des Landes und dessen Wirtschaft keine Taten folgen. Was Russland dringend braucht, ist die Schaffung und der Ausbau eines Binnenmarktes für Konsumgüter, der gegenwärtig praktisch überhaupt nicht existiert. Dazu ein Beispiel: Russland produziert kein hochwertiges Toilettenpapier. Investlesprom war eines der ganz wenigen Unternehmen, die mit der Herstellung begonnen haben, ist jedoch möglicherweise gezwungen, die Produktion wieder einzustellen. Was zurzeit in Russland passiert, kann man wie folgt beschreiben: Die Russen fördern Öl und andere Rohstoffe, verkaufen sie für Dollar an andere Länder und kaufen mit den Dollar aus diesen Geschäften dann Toilettenpapier, das in der Toilette verschwindet. Sollen wir es also zulassen, dass unser Öl die Toilette runter gespült wird?