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Wladimir Krasnow, Andrej Borodins Strafverteidiger: Lang Leben die Freien Medien!

Ich verfolge die Kommentare zu meinen Blog-Einträgen mit großem Interesse. Bisher gab es zwar nur eine überschaubare Anzahl Kommentare (um die sechzig), diese sind jedoch auf jeden Fall als Denkanstöße zu betrachten.

Zunächst einmal fällt zu meiner Überraschung ein erheblicher Teil dieser Kommentare (über 30 %) objektiv gesehen positiv aus. Vielen Dank dafür.

Darüber hinaus deuten sie darauf hin, dass es erforderlich ist, die Begründung für die Strategie zu erklären, die viele nicht zwangsläufig als die übliche Methode eines Rechtsanwalts für die Verteidigung von Andrej Borodin betrachten. Meine Erklärung dafür lautet wie folgt:

  1. Die einseitige Berichterstattung über den „Fall Andrej Borodin“ in der Öffentlichkeit widerspricht den Interessen der erzwungenen Verteidigung der Interessen meines Klienten.
  2. Die besagte Verteidigungsstrategie verstößt nicht gegen das Gesetz und ist daher zulässig.
  3. Bis mich das Ermittlungsteam an der Aufklärung der Strafsache teilnehmen lässt, ist es mir verfahrensrechtlich nicht gestattet, zu offiziellen und sonstigen („vox populi“) gegen meinen Klienten geäußerten Anschuldigungen Stellung zu nehmen.

Wie ich bereits am 21. Juli erwähnt habe, scheint es so, als ob sich die grundsätzliche Einstellung in der Diskussion über die Lage der Bank of Moscow sowie die Grundhaltung in Bezug auf den Charakter meines Klienten, Andrej Borodin, ändere. Vollkommene und absolute Objektivität kann insbesondere in einem im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Fall wie diesem per definitionem nicht erreicht werden. Dies gilt natürlich auch für meinen Standpunkt, der sich zusätzlich zu meinen persönlichen Überzeugungen nach dem Standpunkt meines Klienten richtet. In der Tat kennt er die aktuelle Lage der Dinge besser als alle Anderen.

In seinem Blog nennt A. Nawalni die feindliche Übernahme der Bank of Moscow und deren anschließende Rettung durch die Regierung über deren Erwerber, die (Staatsbank) VTB, einen „Schwindel ungeheuren Ausmaßes, der in die Geschichtsbücher der Strafrechtswissenschaften eingehen wird“ (20. Juli 2011).

A. Kurajew, ein weiterer Blogger, hat Folgendes geschrieben: „Sie sagen (sic!), dass bereits mehr als 300 Milliarden Rubel ausgegeben worden sind.“ Er äußerste sich darüber hinaus, insbesondere in dem Zusammenhang, in dem auch ein Gleichnis aus dem Evangelium vorkommt, sehr unpassend über den Tod eines Menschen bei einem Flugzeugabsturz, dem Andrej Borodin nahestand (20. Juli 2011).

Das Magazin Company (19. Juli, Verfasserzeile, A. Krasawin) hat, milde ausgedrückt, widersprüchliche Einschätzungen von Experten veröffentlicht. A. Golubowitsch: „Dies (bezugnehmend auf die Beteiligung der Regierung an der ‚Rettung‘ der Bank of Moscow) ist eine politische Entscheidung. Die Bank of Moscow, die sich zu einem ‚Saftladen‘ entwickelt hat, hätte auf keine andere Art und Weise als durch eine finanzielle Restrukturierung gerettet werden können.“ ? A. Osin: „Die Bank of Moscow verfügt über ein Nettovermögen in Höhe von 1.000 Milliarde Rubel.“

Der Ansatz des Autors ist ebenfalls aufschlussreich. Die Art und Weise, wie er über die Gutgläubigkeit der Wirtschaftsprüfer spricht und BDO mit ? PWC vergleicht, die unter der Androhung von Strafverfolgungsmaßnahmen ihre Stellungnahmen zu JUKOS ? zurückzogen. Krasawin fragt sich: „Verfügte die BDO über Informationen zum betrügerischen Verhalten der ehemaligen Leitung (der Bank of Moscow)?“ Der Reporter hegt nur einen einzigen Zweifel: ob der Wirtschaftsprüfer wohl über Informationen zu den „Fakten“ des Betrugs verfügte, die dem Autor dieses Artikels unmissverständlich klar sind. So wirft man also mit „Giftpillen“ um sich.

Man könnte ähnlich „produktiv“ darüber diskutieren wie über die Rangliste, die auf der russischen Website kompromat.ru zu finden ist und deren Leserschaft vermutlich ähnlich groß ist wie die des Magazins Company. Auf dieser Website werden viele russische prominente Personen nach ihrer „Kriminalität“ bewertet. Auf Platz 1 dieses Prozess-Rankings, den Herzen, finden sich unter anderem Namen wie Abramowitsch, Beresowski, Wekselberg, Kudrin, Prochorow und Chodorkowski. Andrej Borodin befindet sich zusammen mit Ju. Tschaika, A. Bastrikin, A. Konowalow, A. Dworkowitsch, S. Mironow… (S. Sobjanin, D. Selenin und andere finden sich einen Platz weiter unten) auf Platz 2 des Rankings, den Diamanten. Wenn man derartige Informationen Ernst nehmen würde, dann könnte man „in einem berechtigten Wutanfall“ aufschreien: Warum um Himmels Willen ist dann ein strafrechtliches Verfahren nur gegen Andrej Borodin eingeleitet worden? Wie lange sollen wir diesen Zustand noch hinnehmen? Nun ja, diese Website ist eine sonderbare „Informations-“Quelle. Warum nur versuchen dann scheinbar ernsthafte Medienkanäle mit ihr zu konkurrieren?

Scheinbar ist all dies, je nach Ihrer Vorliebe, entweder das Produkt von Voreingenommenheit oder „Auftragsarbeit“.
Die Wahrheit kommt unausweichlich, wenn auch nur langsam, ans Licht.

Laut Angaben des neuen Präsidenten der Bank of Moscow, M. Kusowlew, wird das Darlehen der russischen Agentur für Einlagensicherungsfonds DIA [Deposit Insurance Agency] der VTB mit den Vermögenswerten der Bank of Moscow als Sicherheit gewährt, die (wenn wir auf A. Osin zurückkommen) auf 850 Milliarden Rubel (Radio Business FM, 21. Juli) geschätzt wurden. Demnach ist die Bank of Moscow kein „spektakulärer Krater“ oder „Saftladen“, sondern doch wohl eher ein jederzeit zahlungsfähiger Kreditnehmer, der Zahlungsverpflichtungen eingehen kann. Dementsprechend war es auch voll und ganz gerechtfertigt, dass ihr „alter” Präsident anbot, die Aktien der Bank von der VTB auf eigene Rechnung zu kaufen, als er feststellte, dass es ziemlich realistisch wäre, gegen diese Art Sicherheit Geldmittel zu beschaffen.

Wen oder was, hochgeschätzte Steuerzahler, versuchen wir also durch unsere Beiträge zu retten?

Am 22. Juli 2011 war in verschiedenen Publikationen (Wedomosti, RBK Daily) zu lesen, dass die Zentralbank plane, die Vorschriften zur Regelung der Bewertungsverfahren für Kreditnehmer zu verschärfen. Aus diesen Änderungen ergibt sich, dass die Zentralbank nach wie vor weder die Vergabe von Krediten an verbundene Unternehmen und Briefkastenfirmen als kriminell betrachtet, noch dass sie die Kredite an diese a priori für „schlechte“ Kredite hält. Von nun an müssen also in derartigen Situationen einfach zusätzliche Rückstellungen in angemessener Höhe gebildet werden.

Worüber regen sich also bestimmte Medienkanäle und gewisse „Autoritäts-“Personen auf, nachdem Andrej Borodin wegen eines vergleichbaren und legalen Verhaltens aller Todsünden bezichtigt wurde?

Dies ist die Logik hinter der Parole, die in der Überschrift verwendet wird.

Die ursprüngliche Version wurde in russischer Sprache in Wladimir Krasnows Blog auf der Website von Echo Moskwy veröffentlicht