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Denken wir doch mal an Anfang 2011 zurück, als sich die Bank of Moscow von ihren Konkurrenten dadurch unterschied, dass sie mit sehr positiven internationalen Ratings ausgezeichnet wurde und gerade einige äußerst renommierte internationale Banken wie zum Beispiel Goldman Sachs als Aktionäre gewonnen hatte. Sie führte ihre Geschäfte als vollwertige Geschäftsbank mit transparenten Kreditvergabeverfahren und einer starken sowie regelmäßig geprüften Bilanz. Die Bank of Moscow war eine äußerst anerkannte internationale Bank, deren Markenwert allein sich auf 1 Milliarde US-Dollar belief. Vor diesem Hintergrund erscheint der Gedanke, dass die Bank of Moscow seit der Übernahme durch die VTB nun mit finanziellen Mitteln unterstützt werden müsste, lächerlich.

Als ich die ersten Gerüchte über die unglaubliche Höhe der staatlichen Beihilfen hörte, die die VTB beantragt hatte, erinnerte ich mich plötzlich an eine Geschichte, die sich vor 12 Jahren ereignete, als die Bank of Moscow 1998 noch vor Ausbruch der Finanzkrise den Kauf eines Aktienpakets der ‚Mosbusinessbank‘ abwickelte, wodurch die Bank of Moscow die Mehrheitsbeteiligung an der ‚Mosbusinessbank‘ erworben hat.
Ich nahm im März 1998 die Verhandlungen auf und wir beabsichtigten keine überstürzte Kaufabwicklung, da es viele Fragen bezüglich der Qualität des Kreditportfolios der ‚Mosbusiness‘ zu klären galt. Andererseits benötigte unsere Bank dringend ein ausgebautes Filialnetz und den breiten Kundenstamm einer großen (die siebtgrößte Bank nach Vermögenswerten) Bundesbank, die die ‚Mosbusinessbank‘ zur Zeit der Sowjetunion als Teil des Staatsbanksystems der UdSSR gewesen war.

Im August hatten wir den Kauf der ‚Mosbusinessbank‘ ungefähr zur Hälfte abgewickelt, als es allmählich zum Zahlungsausfall der Regierung der Russischen Föderation kam. Dies löste natürlich infolge der wirtschaftlichen Kettenreaktion auf dieses Ereignis weitere noch schwerwiegendere Probleme aus. Die Verluste im Bankensektor summierten sich, die Kunden begannen, Gelder abzuziehen und die Liquidität war in nur wenigen Tagen verschwunden. Nur der Führungswechsel der Zentralbank konnte noch zusammen mit der Einführung eines nationalen Zahlungssystems in Russland eine gewisse Entspannung der Situation bewirken.

In unserem Fall musste sich die Bank of Moscow nun statt einer problemlosen Fusion zweier Banken um die ‚Sanierung‘ der ‚Mosbusinessbank‘ kümmern. Zudem verlangte die Zentralbank für die Inanspruchnahme von Darlehen zur Sanierung 60 % anstatt der vereinbarten 15 %. In meiner beruflichen Laufbahn war dies vermutlich die schwierigste Zeit, da ich nun gleichzeitig zwei Banken retten musste. Selbstverständlich hätte sich die Bank of Moscow bezüglich des Kaufs finanzieller Vermögenswerte anders verhalten, wenn wir vorher gewusst hätten, dass Russland einen Zahlungsausfall hinsichtlich seiner Verbindlichkeiten in der Landeswährung bekannt geben würde, was definitionsgemäß bekanntermaßen in einer rationalen Wirtschaftsordnung unmöglich ist. Wenn man jedoch eine Sache ankündigt und dementsprechend gehandelt hat, kann und darf man nach einer gewissen Zeit nicht verkünden, dass man das Geschäft nun doch nicht mehr abschließen möchte, so hart oder so schwierig dies vielleicht auch sein mag. Dies sind nun mal die Spielregeln. Eine andere Möglichkeit zur Lösung dieses Problems wäre ein Rücktritt des Präsidenten der Bank gewesen, nachdem er seine Fehleinschätzung der Lage eingeräumt hätte.

Der Kauf der ‚Mosbusinessbank‘ im Jahr 1998 war sicherlich nicht das beste Geschäft für die Bank of Moscow. Jedoch sind wir uns dessen bewusst, dass wir auch in den schwierigsten Zeiten keine andere Wahl hatten, als Tag für Tag eine Lösung für diese besonders aussichtslose Situation zu suchen, da dies unsere berufliche Pflicht und Verantwortung gegenüber den Kunden und Aktionären der Bank war. Und obwohl die Zentralbank unter dem Druck des IWF (ganz nebenbei bemerkt, es gibt immer noch einen WC-Raum im Gebäude der Zentralbank, der nach Michel Camdessus, dem damaligen Leiter des IWF, benannt ist) der ‚Mosbusinessbank‘ eine Lizenz entzog, was völlig gegen die mit der Bank of Moscow geschlossene Vereinbarung verstieß, so gaben wir nicht auf und hatten noch genug Energie, um in den nächsten 48 Stunden, praktisch ohne zu schlafen, weiterzuarbeiten, da wir einen Weg finden mussten, dieses durch die Entscheidung der Regulierungsbehörde entstandene Hindernis zu umgehen. Und dennoch haben wir die russische oder Moskauer Regierung nicht um finanzielle Hilfen gebeten, obwohl wir moralisch gesehen aufgrund der Einflussnahme einer höheren Gewalt, die auf die Verletzung der mit der Bank of Moscow geschlossenen Vereinbarung von Seiten der Zentralbank zurückzuführen war, dazu im Hinblick auf die Sanierung der ‚Mosbusinessbank‘ berechtigt gewesen wären. Nach einer gewissen Zeit begann sich die Situation in der Wirtschaft und auch im Bankensektor zu entspannen. Nach drei Jahren zahlten sich unsere Investitionen in die Geschichte namens ‚Mosbusinessbank‘ vollständig aus. Allerdings gestaltete sich die Rückzahlung der Darlehen eher schwierig, da wir dazu mit Kriminellen, Betrügern sowie Geschäftsleuten mit Verbindungen zu hochrangigen korrupten Beamten in Moskau und anderen Regionen Russlands zusammenarbeiten mussten.

Warum erzähle ich Ihnen dies heute nach mittlerweile 12 Jahren? Gehen wir zu unserem Ausgangspunkt zurück: dem Antrag der VTB auf finanzielle Beihilfen der Regierung in Höhe von entweder 150 oder 250 Milliarden Rubel. Es scheint fast so, als ob jeder russische Bürger zwischen 1.100 Rubel und 1.800 Rubel zugunsten der Spitzenmanager der Staatsbank überweisen muss.

Ich möchte nochmals wiederholen: Meiner Meinung nach ist die Bank of Moscow im Grunde genommen auf keinerlei staatliche Hilfe angewiesen, ganz gleich was die Staatsräuber behaupten.

Sind die derzeitigen Manager der VTB der Meinung, dass eines der Darlehen von den üblichen Standards abweicht, dann würde ich ihnen raten, ins Archiv der Bank of Moscow zu gehen und die 12 Jahre alten Dokumente herauszusuchen, diese durchzulesen und sich anschließend an die Arbeit zu machen, so wir dies damals getan haben. Und plötzlich gäbe es diese Probleme nicht mehr. Ich stehe Ihnen dabei jederzeit gerne mit Rat und Tat zur Seite…